Die 3 Pumpen auf Pellworm

Die nordfriesische Insel Pellworm stand am Wochenende des 17./18. September 2017 unter Wasser. Das heißt Garagen, Carports und einige Häuser haben nasse Füße bekommen, da das Entwässerungssystem überlastet war.

Ursache der Überschwemmungen waren anhaltende Starkregenfälle über vier Wochen und der leichten Sturmflut durch den Sturm „Sebastian“. Technisches Hilfswerk (THW) und Feuerwehr setzten 3 Wasserpumpen ein, die 5.000 Liter pro Minute beförderten.

Das Wasser konnte aufgrund der großen Menge nicht schnell genug über den Deich in die Priele abfließen, berichtete der NDR am 18. September. Zusätzlich wird die Insel durch ein Schöpfwerk und ein Außensiel vom Wasser befreit.

Zum Glück demonstrierten eine Woche vorher etwa 100 Inselbewohner aktiv gegen die Pläne Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN). Der Landesbetrieb wollte trotz der anstehenden Sturmflutzeit die obere Schicht des Deiches für ein Deichbauprojekt abtragen. Es bestand die Gefahr, dass der Deichsand bei einer Sturmflut schnell aufweicht und der Deich nachgibt und bricht. Insbesondere die feste Grasnarbe auf dem Deich schützt das Bollwerk vor dem Einsickern von Wasser, welches den Deich schnell durchdringt und aufweicht. Weiter gibt es eine Kleischicht auf der Deichkrone, die den Deich zusätzlich stabilisiert. Darunter befindet sich der Sand. Liegt der sandige Deichkern bei Regengüssen frei, ist das Hinterland bei einer Sturmflut nicht mehr sicher.

Für die Demonstration eingesetzt und die Aktion initiiert hatte der ortsansäßige Deichgraf Ernst August Thams. Die Pellwormer und der Pellwormer Deichgraf schüttelten nur noch den Kopf, als es eine Woche vorher hieß, der Deich solle jetzt noch schnell saniert und die Kleischicht erneuert werden. Er konnte in kurzer Zeit etwa 100 Pellwormer gewinnen, um gegen diese Maßnahme zu demonstrieren. Der Deich darf erst nach der Sturmflutsaison saniert werden, forderten sie. Es war laut NDR-Bericht ein Montag: Dem Deichgrafen sei an dem Tag, als die Bagger angefahren kamen und sich bereit stellten, der Kragen geplatzt.

Er ergriff sofort die Initiative und trommelte über Messengerdienste die Inselbewohner zusammen. Und ich denke, es waren diejenigen, die sich auskannten. Schon häufig musste der Deichgraf mit den Mitarbeitern des Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) über derartige Dinge diskutieren. Da scheint Verständnis, Erfahrung und Hintergrundwissen zu fehlen oder es wird mehr wert auf andere Dinge gelegt.

Auch Landwirte äußerten sich zu den Plänen des LKN jetzt den Deich sanieren zu wollen. Das sei ein Unding. Seit hunderten Jahren sei bekannt, dass das zu diesem Zeitpunkt nicht möglich sei. Der Deich müsse jetzt grün sein. Zu Baggern beginnt jetzt niemand!

Jetzt wurde die Deichsanierung auf das nächste Frühjahr 2018 verschoben. Auf Pellworm ist geplant die 1,2 Kilometer lange Deichkrone zu erhöhen. Weiter sollen fünf Teilabschnitte mit neuem Klei bedeckt und auch der Treibselabfuhrweg verstärkt werden, so berichtete der NDR.

Hätten sie kurz vor dem starken Regen und vor dem ersten Sturmtief „Sebastian“ die Deichkrone frei gelegt, wäre der Deich lange durchgeweicht und Pellworm möglicherweise überschwemmt. Und bei einer Sanierung kurz vorher wäre die neue Deichkrone einfach noch zu frisch, die Klei noch nicht abgesetzt, nicht gefestigt und eine Grasnarbe wäre derart schnell nicht gewachsen.

Falls die Insel nun Mitte oder Ende der kommenden Woche ein neues Sturmtief erreichen sollte, das ein Ausläufer der großen Hurricane Maria und Jose und anderen sein mag, hoffe ich, dass der alte, gefestigte Deich stark ist und stand hält. Die Demonstration und Abwehr der Deichbaumaßnahme zum jetzigen Zeitpunkt war sicherlich der richtige Weg, der durch erfahrene Pellwormer durchgesetzt wurde.

Wie auch immer der nächste Herbststurm heißen mag, die Bewohner dieser Insel sind vorbereitet.

Die Geschichte erinnert mich an einen Kurs, den ich vor Kurzem aus beruflichen Gründen besuchte. Die Teilnehmer wurden gefragt, was ihnen im beruflichen Alltag zurzeit am meisten zu schaffen macht.

Die am häufigsten ausgewählten Punkte waren:

  1. Unscharfe Ziele
  2. Unrealistische Pläne, Termindruck und Konflikte mit anderen Personen/ Kollegen
  3. Kommunikationsprobleme/ Abstimmungsbedarf
  4. Ressourcenkonflikte
  5. Nicht beherrschbare, häufige Änderungen und knappes Budget
  6. alle anderen Gründe wurden kaum gannt

Ich weiß es nicht, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass in diesem Fall ähnliche Hindernisse im Weg standen. Ich kann keine wissenschaftliche Studie dafür nachweisen, sondern nur diese eine, persönliche Erfahrung.

Weiter hörte ich in den Jahren von etwa 2010 bis ins Jahr 2014 mehrmals die Aussage in Unternehmen von meist älteren Mitarbeitern: “ Bis jetzt waren die Leute, die hier her kamen / herzogen in Ordnung, aber was jetzt kommt, das kannste‘ vergessen.“ Oder „Früher waren viele Politiker ehemalige Landwirte, die sich in der Politik engagiert haben. Davon gab es mal sehr viele. Aber jetzt … was da jetzt teilweise läuft, das kannste‘ vergessen.“

Und auch der Deichgraf von der Insel Pellworm ist Landwirt, der sich nebenbei ehrenamtlich um die Deichsicherheit kümmert. Ich fand einen sehr schönen Artikel in den Husumer Nachrichten aus dem Jahr 2013:

Deichgraf Insel Pellworm

Deichsicherheit und Deichbau – Landwirt kümmert sich um den Hochwasserschutz

 

 

 

 

 

 

 

 

Mit vielen Grüßen an alle Deichgrafen im Lande.

Sichert unsere Deich – und zwar richtig.

Die Deichgräfin ~ Das wachsames Auge bleibt

 

 

 

Foto: Nordkehdingen, Balje am Ostesperrwerk

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